Muss man Sie kennen? Minidrama aus dem Autorinnenleben

Mann in Café (MiC) am Nebentisch: Und was machen Sie so?
Ich: Schreiben. Ich bin Autorin.
MiC: Muss man Sie kennen?
Ich: Müssen nicht, aber vielleicht wollen oder sollen.
MiC: Ganz schön eingebildet.
Ich: Nur selbstbewusst.
MiC: Und ganz schön rechthaberisch.
Ich: Ihr Charme ist zwar beeindruckend, aber ich glaube, das wird nichts mit uns.
MiC (tippt in sein Handy): Wie heißen Sie?
Ich: Warum? Wollen Sie ein Buch von mir kaufen?
MiC: Ich lese keine Frauenliteratur.
Ich: Und ich schreibe keine.
MiC: Kinderbücher?
Ich: Ich schreibe Politthriller.
MiC (ungläubig auflachend): Ja, sicher!
Ich greife in meine Tasche, ziehe meine Pistole und schieße ihm in die Stirn. (Phantasie)
Ich winke dem Kellner: Zahlen bitte! (Leider wahr)
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Vom Lesen und Lügen

Als Kind führte ich ein höchst abenteuerliches Leben. Auf einem selbstgebauten Floß erforschte ich nach der Schule mit meinen Freunden den Mississippi, ritt tagelang über die Prairie, kämpfte mit Pumas und schoss mir mein Mittagessen selbst oder fing Fische mit den bloßen Händen. Ich war schnell, sehr schnell. Nur das Zurichten und Braten der Beute überließ ich meinem Freund Tom Sawyer oder meinem Blutsbruder Winnetou, dem ich im lautlosen Anschleichen an zu belauschende Feinde übrigens schlangenfach überlegen war. Ich war es auch, die ihm zeigte, wie man sich seitlich an ein galoppierendes Pferd hängt, um kein Ziel für gegnerische Kugeln abzugeben.

Gelegentlich verließ ich Amerika, um andere Länder zu bereisen oder im Weltall nach dem Rechten zu sehen. Das Kommando der interplantaren Raumflotte hatte mich als intuitive Übersetzerin für die gebräuchlichsten Sprachen des Sonnensystems schätzen gelernt und konnte meine Eltern von Zeit zu Zeit überreden, mich für eine Mission ziehen zu lassen.

Mit anderen Mädchen hatte ich während dieser Abenteuer kaum zu tun. Die steckten in irgendwelchen Internaten, ärgerten sich mit Hanni und Nanni über strenge Lehrerinnen, backten Kekse und warteten als rüschenbekleidete Prinzessinnen auf ihren Prinzen, anstatt auf Bäume zu klettern, um die nahende Kutsche des Sheriffs von Nottingham zu überfallen.

Es gab allerdings Bereiche, wo sich meine Interessen mit denen der anderen Mädchen überschnitten. Pferde, hauptsächlich. Wann immer ich also meine Stute Flicka besucht hatte, die auf einem einige Autostunden entfernten Bauernhof in der Wildnis untergebracht war, erzählte ich in der Schule davon, wie ich das ganze Wochenende durch die Wälder geritten und über Stoppelfelder galoppiert war. Als Flicka dann schließlich ein Fohlen namens Schneeflocke warf, ließen sich die Bitten der Schulfreundinnen, doch mal eine von ihnen mitzunehmen, nicht mehr ignorieren. Babyfohlen sind ja so SÜÜÜÜÜSS!

Die Anziehung kleiner Tiere hatte ich nicht bedacht. Wie auch, ich war ja erst zehn. Dass meine Abenteuer mit Hilfe von Büchern alle im Kopf stattgefunden hatten, sich deshalb jedoch nicht weniger wahr anfühlten, wusste ich nicht zu erklären. Ich vereinbarte also Termine und sagte sie wieder ab. Bis mir ein Mädchen erklärte, ihre Mutter hätte ihr gesagt, dass ich krank wäre, eine pathologische Lügnerin. Nie in meinem Leben habe ich mich so sehr geschämt. Vor allem für meine Dummheit. Denn es war mir nicht bewusst gewesen, dass ich log. Die Lüge begann ja unmerklich erst, als ich das damals unhaltbare Versprechen machte, andere in meine Welt mitzunehmen.

Inzwischen habe ich gelernt, Phantasie und Realität in meinem Leben weitgehend zu unterscheiden. Ich lüge nicht im Alltag. Aber es schmerzt mich immer noch, wenn ich einen Vater oder eine Mutter mit ihrem Kind schimpfen höre, weil es angeblich gelogen hätte. Da wäre kein Bär und auch keine Höhle hinter dem Schulhaus, in der er wohnen könne. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.

Doch, sage ich zu ihnen. Den Bär gibt es und die Höhle auch. Ich habe sie gesehen. Aber man muss erst lernen, sie für andere Augen sichtbar zu machen. So, wie ich es gelernt habe, euch in meine Welten mitzunehmen. In meinen Texten. Die ausgedacht sind, aber wahr.

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Drift – ein philosophischer Roman von Anne Kuhlmeyer

Schon in ihren letzten beiden Büchern Es gibt keine Toten und Nighttrain hat Anne Kuhlmeyer sich nicht viel um die angeblichen Regeln des Genres Krimi geschert. Mit Drift lässt sie diese endgültig hinter sich und es ist gut so! Das ist mal ein Buch – poetisch philosophisch und anspielungsreich, spannend, raffiniert und voller feinem Humor.

Acht Menschen, durch eine Flutkatastrophe aus ihren Plänen, aus ihrer steten Suche nach dem guten Leben gerissen, suchen Schutz in einem einsamen Haus. Doch nur fünf von ihnen schaffen es hinein, dreien wird die Zuflucht und damit das Recht auf ein Überleben verwehrt.

Schon in dieser Konstellation offenbart sich, wie vielfältig die Bezüge sind, die die Autorin zu unserem Leben, unserer Gesellschaft setzt. Unangestrengt und mit Mut zu Leerstellen verflicht sie unterschiedliche Biografien, reale und surreale Elemente und vielfältige Bedeutungsebenen, denen man teilweise erst langsam auf die Spur kommt. Doch selbst die unerklärlichen Ausflüge, bei denen die Protagonisten mit Hilfe von Büchern kurzfristig in fremde Welten reisen dürfen, wirken weniger magisch als realistisch. Sie spielen sowohl mit dem eskapistischen Potential der Literatur als auch mit der Universalität gesellschaftlicher Probleme.

Nur einen Satz (von Seite 69) noch, der eine wunderschöne Beschreibung des Ineinanderfließens von Realität und Phantasie abschließt: „Alles hat seine Zeit, so auch die Phase, in der man die Augen geschlossen halten kann, jedenfalls zu Lebzeiten.“

Mehr sage ich jetzt nicht dazu, weil ich mir wünsche, dass ihr selbst entdeckt …

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Ich hab heut Geburtstag, tralalala

Ich kann heut machen, was ich will. Dem Flieder zusehen, wie er für mich blüht. Am Sofa lümmeln und lesen mit der Teetasse auf dem Bauch. Im Regen stehen und die Sonne rufen. (Und sie kommt!) Schon vormittags Schokotorte essen. An alle denken, die nicht da sind und mit denen ich gerne feiern würde. Feiern mit denen, die da sind und mit mir feiern wollen. Schön ist das.

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Die T-Rex-Therapie und die Antwort auf alles

Panikattacken. Sofern ihr Schriftsteller, Künstlerinnen oder anderweitig prekär beschäftigt und halbwegs phantasiebegabt seid, wisst ihr, wovon ich rede. Aber auch Eltern, beruflich Gestresste, abstiegsgefährdete Fußballtrainer und auf ihren Asylbescheid wartende Flüchtlinge haben meist Erfahrung mit unvermittelten Schweißausbrüchen, Atemnot und plötzlichem Herzrasen, das einen gern aus dem Schlaf fahren und danach oft stundenlang wachliegen lässt, indem es selbstquälerische Gedankenkarussells befeuert. Man will schließlich wissen, warum man in Panik geraten ist und dafür fallen einem, insbesondere nachts, oft zahlreiche Gründe ein. Die sind im Optimalfall entweder nicht akut beeinflussbar (Asyl, Trump) oder generell außerhalb jeder Kontrolle (Alter, Liebesverlust, Tod).

Sie kennen das gar nicht? (Ich sage jetzt „Sie“, weil wir uns vermutlich nicht persönlich kennen, wenn Sie einer von denen sind und auch, weil ich großen Respekt vor Ihrer stabilen Gemütslage hege.) Sie sind Teil einer glücklichen Familie, haben beruflich die optimale Balance zwischen Sicherheit und stimulierender Herausforderung gefunden und leben in unangreifbaren finanziellen Verhältnissen. Das war immer so. Und wird immer so sein. Echt jetzt? Das soll alles gewesen sein? Wieviel Zeit haben Sie noch, um ihre Träume zu verwirklichen? Dieser braune Fleck hinter Ihrem Ohr ist sicher harmlos? Und denken Sie doch mal daran, wieviel Sie zu verlieren haben! Jeder hat Anlass zur Panik und bei entsprechender Disposition kann auch die Angst vor der Panik eine Attacke provozieren.

Da wir jetzt alle auf dem gleichen Stand sind, verrate ich euch meine garantiert unwissenschaftliche Therapie. Hatten Steinzeitmenschen sinnlose Panikattacken? Vielleicht. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass sie ihre Adrenalinstöße dem Brüllen eines Löwen oder einem plötzlichen Felssturz in der heimatlichen Höhle verdankten, dachte ich mir eines Nachts. Welche lebensbedrohliche Situation könnte mir wohl in diesem Moment Anlass zu beschleunigtem Puls und Hyperaufmerksamkeit bieten?

Da! Ein Geräusch vor dem Fenster. Dabei liegt das Schlafzimmer im zweiten Stock. Ein Einbrecher? In Gedanken schleiche hinüber, luge hinaus und blicke direkt in das bösgelbe Auge eines gewaltigen Tyrannosaurus Rex. Das Flattern des Vorhangs hat seine Aufmerksamkeit erregt. Er reißt das Maul auf und stößt ein seltsam gurrendes Grollen aus. Ich werfe mich zu Boden, krieche auf die Tür zu. Sein Kopfstoß lässt die Fensterscheibe zerspringen. Kalte Luft und heißer Atem, der nach faulendem Fleisch riecht, wirbeln ins Zimmer. Der nächste Anprall drückt die Mauer ein, Ziegel fallen, drohen, meinen Mann unter sich zu begraben. Der nicht aufgewacht ist. Ruhig liegt er im Bett. Wie übrigens auch ich. Der T-Rex löst sich auf und mit ihm die Panik. Glück gehabt!

Es klingt vielleicht kindisch, aber es hat funktioniert. Ein Kontrollversuch mit einem imaginierten Brand im Erdgeschoß, der den Weg über die Stiege abschneidet, brachte ebenfalls ein zufriedenstellendes Ergebnis und diverse Ideen zu verletzungsfreier Flucht aus dem Fenster. Doch die Gefahr des Feuers ist zu konkret um sich so flott und rückstandslos aufzulösen wie eine Raubechse aus der Kreidezeit.

Und nun Zahnarzt, eine kleine Operation. Der Tyranno mag nicht helfen, hat sich in den Kopf gesetzt, sich selbst wegen einer Zahnregulierung beraten zu lassen und bleibt hartnäckig an meiner Seite. Er stinkt aus dem Maul. Wenn er den Arzt nur nicht ablenkt, den Bohrer in seiner Hand zittern und abrutschen lässt. Wie gut, dass mich die Panik nachts wachgehalten hat und ich dank ihr nun viel zu müde bin, um mich aufzuregen.

Ich schulde euch noch die Antwort auf alles, aber ich muss dann los. Beim nächsten Mal, versprochen! Und falls ihr nichts mehr von mir hört, dann hat er mich wohl doch erwischt. Der T-Rex. Oder der Zahnarzt.

 

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Radioerkenntnisse I – Kassandra zieht den Kopf aus dem Sand

„Du bist mutig“, meinte eine Kollegin, als ich von meiner Erfahrung berichtete, mir selbst im Radio zuzuhören. Mit meinem aktuellen Politthriller Lügenland war ich anlässlich der Politischen Nacht im Rahmen des Krimifestivals Mord am Hellweg gemeinsam mit den Kolleginnen Jelena Volic, Christian Schünemann und Christian von Ditfurth zu Gast bei einer für den WDR5 aufgezeichneten Podiumsdiskussion in Unna gewesen.

Nun ist es einerseits tatsächlich immer ein wenig irritierend, die eigene Stimme aus einem elektronischen Gerät zu hören. Eine Stimme, die man spontan vermutlich nicht einmal als die eigene erkennen würde. Andererseits lassen sich gerade aus dieser Erfahrung der Fremdheit wertvolle Erkenntnisse gewinnen, da sie eine ungeahnte Distanz zu den eigenen Worten schafft.

Eine dieser Erkenntnisse weist über den konkreten Fall hinaus auf ein tatsächlich politisch-gesellschaftliches Phänomen, das ich das Kopf-in-den-Sand-Syndrom nennen will. Mein Roman spielt in einem Österreich der nahen Zukunft, einer rechtspopulistischen Demokratur, die sich nach dem Zusammenbruch der EU aufgrund der Flüchtlingsproblematik und anschließenden bürgerkriegsähnlichen Zuständen durchgesetzt hat. Dieses Szenario hatte ich bereits 2013 entwickelt, also bevor sich ab  2015 erwies, dass die EU bei der Bewältigung der Krise an die Grenzen der Solidarität stoßen würde. Wie schon öfter sprach man mich demzufolge auch bei dieser Veranstaltung in Deutschland auf meine prophetischen Gaben an und fragte im Spaß (hoffe ich jedenfalls) nach Lottozahlen und Aktientipps. Ob es nicht gruselig sei, die Entwicklungen so vorauszusehen?

Natürlich sei es gruselig, dass schon so viele Aspekte meiner Horrorvision wahr geworden seien, hörte ich mich im Radio sinngemäß antworten. Aber ich glaube noch immer daran, dass es nicht zu einem endgültigen Rechtsruck in Österreich käme.

Die Sache ist die: Ich hatte auch nicht geglaubt, dass sich die Flüchtenden in Massen auf den Weg machen würden. Nicht, dass die EU daran scheitern könnte, Verfolgten und Kriegsflüchtlingen Schutz zu bieten. Dass Grenzen dicht gemacht würden. Dass allerorts rechtsextreme Parteien einen derartigen Aufschwung nehmen würden. Dass England die EU verlässt. Ich habe darüber geschrieben, ohne zu glauben, dass es wahr werden würde. Ein Worst Case Scenario, um zu erzählen, was Repression mit Menschen macht, innerhalb einer Stunde aus dem Ärmel geschüttelt, weil ich im Rahmen einer fiktiven Geschichte von meinen Hoffnungen für die Zukunft befreit war.

Damals wollte ich recherchieren, welche Szenarien linke Parteien zu bieten hätten, sollte es zu einem vermehrten Flüchtlingszustrom kommen, wie organisatorisch damit umzugehen sei, wie ideologisch. Doch da war nichts zu recherchieren. Floskeln anstelle von Visionen. Weil es schon nicht so weit kommen würde. Und obwohl auch ich nicht erwartete, dass es soweit kommen würde, empfand ich es als beunruhigend, dass es von der Linken keine Antworten auf diese Fragen gab, dass man das Feld allein den Rechten überließ. Ich schrieb also dieses Buch nicht nur, um eine spannende Geschichte zu erzählen, sondern auch, weil ich sozusagen die Verpflichtung zum Kassandraruf empfand.

Dessen ungeachtet weigerte sich meine Stimme im Radio – ebenso wie die eben kritisierten Parteien – zu glauben, dass die Entwicklung weiter fortschreiten könnte. Warum? Weil der Schock tief sitzt, dass die Demokratie nicht, wie ich seit meiner Jugend dachte, das Ende der gesellschaftlichen Entwicklung darstellen könnte. Die beste aller möglichen Welten und doch soll ein Zurück bevorstehen? Das Ende der Dialektik. Eine Rückkehr zu Repression und Nationalismus, eine Abkehr von Meinungsfreiheit und Gewaltenteilung.

Und nun verkündet der Chef der nationalistischen FPÖ am Nationalfeiertag, dass er einen Bürgerkrieg mittelfristig für nicht unwahrscheinlich hält, ausgelöst selbstverständlich nicht durch seine hetzerischen Brandreden, sondern durch „den ungebremsten Zustrom von kulturfremden Armutsmigranten“.

Es ist an der Zeit, den Kopf aus dem Sand zu ziehen. Es ist an der Zeit, die Zukunft nicht mehr den Angstmachern und Aufhetzern zu überlassen. Es ist an der Zeit, nicht mehr nur zu reagieren und die Gegebenheiten zu administrieren, sondern Antworten und Visionen zu entwickeln, die die Verunsicherten zu Demokratie und Freiheit verführen, anstatt sie den reaktionären Demagogen zu überlassen!

 

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Panik, Kamera! – mein Leben als Filmstar

Gestern war es soweit: Ich habe mich zum ersten Mal in einem Film gesehen und gehört, den theoretisch jeder Mensch auf der Welt auf youtube und anderen Plattformen abrufen kann. Wie ihr daraus schließen könnt, hatte ich es bisher nicht besonders darauf abgesehen. Natürlich wünsche ich mir, dass mindestens jeder zweite Weltbürger meine Romane liest und jedes Medium sie rezensiert. Auch gedruckte Interviews finde ich amüsant. Kamerascheu bin ich allerdings schon seit meiner Kindheit.

Aber man soll sich seinen Ängsten stellen, sagt die Küchenpsychologie. Nachdem ich schon im Kampf gegen die Höhenangst große Erfolge erzielen konnte, indem ich vor rund 15 Jahren mit dem Paragleiten begonnen (und inzwischen wieder aufgehört) hatte, wollte ich es jetzt der Kamera gegenüber mit einer Konfrontationstherapie versuchen. Erst war mein Mann dran, der rund 250 Fotos schießen musste, damit ich ca. 5 fand, die mir gefielen. Und nun also Film. Als der Kollege Günther Zäuner mich einlud, in seinem virtuellen Krimisalon meinen aktuellen Thriller Lügenland zu präsentieren, war ich gleich Feuer und Flamme.

Was soll ich sagen? Mein erstes Rendezvous mit der Kamera verlief ebenso erfolgreich wie mein erster Höhenflug mit dem Gleitschirm. Damals hatte ich mir bei der Landung den Fuß verstaucht und diesmal … Nun ja, eine weitere Konfrontationseinheit ist fällig. Ich stelle mich der Angst, dass jemand diesen Film sehen könnte.

Was bei so einem Filmchen groß schiefgehen kann?

Man kann sich zum Beispiel, kurz bevor es losgeht sicherheitshalber noch einmal schnäuzen und dabei den Lippenstift von der einen Hälfte der Oberlippe abwischen. Think positive! Der schief erscheinende Mund verstärkt wirkungsvoll meine Grimassen.

Schlimmer aber ist, dass ich praktisch kein Wort über das Buch verliere, das vorzustellen, doch eigentlich der Plan war. Stattdessen schwafle ich planlos irgendein unzusammenhängendes Zeug, nachdem mir gesagt wird: „Das ist jetzt erstmal eine Probe.“ Vermutlich mache ich das, damit ich die Wörter, die ich eigentlich sagen will, nicht aufbrauche, bevor es ernst wird, ein drastisches Missverständnis des Begriffs Probe meinerseits. In diesem Fall ist die Probe leider schon der Ernst und vermutlich nur so angekündigt, um mir die Nervosität zu nehmen. Merke: der Fokus bei einem zur PR gedachten Film sollte nicht lauten: Ohjeh, eine Kamera, mal schauen, was passiert. Es passiert nämlich, wenn man gefilmt wird, überraschenderweise genau das, was man selbst macht.

Warum ich nicht einfach, wie andere Leute, Stillschweigen über meine Peinlichkeiten bewahre und hoffe, dass niemand sie bemerkt? Ist doch langweilig! So kann vielleicht die eine oder der andere von meinen Erfahrungen profitieren. (Bei der Landung mit dem Gleitschirm nie im letzten Moment die Bremsleinen noch einmal loslassen!) Schließlich profitiere ich auch davon, indem ich die gleichen Fehler, wenn ich sie mir ausführlich vor Augen führe, hoffentlich kein zweites Mal begehe. Und sollte ich eines Tages reich und berühmt sein und irgendwelche Maden, die zu viele schlechte Krimis gelesen haben, mich mit alten Peinlichkeiten erpressen wollen, so haben sie keine Chance.

Und wenn ihr es jetzt sehen wollt: Zäuners Krimisalon. Ab Minute 26 bin ich dran. Davor gibt es ein interessantes Interview mit dem Literaturkritiker Heinz Sichrovsky und zu Beginn stellt Edith Kneifl ihren aktuellen Krimi vor. Sie macht das tatsächlich.

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