Kälteeinbruch

Ein relativ dunkelhäutiger, korpulenter Mann, ordentlich gekleidet, steht auf der Straße vor unserem Haus in der Sonne, den Blick auf den fünfstöckigen Wohnbau gegenüber gerichtet, und raucht. Als ich nach einer halben Stunde zurückkomme, steht er immer noch da, liest jetzt.

Ich: Kann ich Ihnen helfen? Warten Sie auf jemanden?
Er: Bitte! Nicht böse, nicht schlecht, bitte! Warte auf Kinder (Er deutet auf das Haus gegenüber) Spielen dort mit Freundin. Abholen, bald. Bitte, nicht Polizei!
Ich: Selbstverständlich nicht! Ich wollte nur wissen, ob ich Ihnen helfen kann.
Er: Bitte! Wollen Ausweis sehen? (Er kramt in seiner Tasche, zieht die Brieftasche heraus.)
Ich: Nein! Ich bin doch nicht die Polizei. Passt schon, alles gut. (Ich öffne das Haustor.)
Er: Nicht Polizei, bitte!
Ich: Keine Polizei, alles in Ordnung.

Die Haustür fällt zu, öffnet sich jedoch gleich darauf wieder. Eine Nachbarin, Akademikerin, Universitätsangestellte, kommt herein, bepackt mit Einkäufen, wirkt aufgeregt.

Ich: Hallo, lang nicht gesehen.
Sie: Hast du eine unliebsame Begegnung gehabt da draußen? Soll ich die Polizei rufen?
Ich: Nein! Ich habe den Herrn nur gefragt, ob ich ihm helfen kann. Er tut doch nichts, steht da nur.
Sie: Das weiß man nicht. Da muss man vorsichtig sein. Die spionieren das Haus aus oder so.
Ich: Er wartet, bis er seine Kinder vom Spielen abholen kann. Vielleicht lohnt es sich nicht, zwischendurch heimzufahren.
Sie: Oder er will sie entführen. Wir müssen aufeinander aufpassen. Finde ich gut, dass du gleich einschreitest.
Ich: Ich bin nicht eingeschritten. Ich wollte freundlich sein.
Sie (schaut mich an, als hätte ich einen Witz gemacht, den sie nicht ganz versteht, dann mitleidiges Lächeln): Die Zeiten haben sich geändert.

Als die Wohnungstür hinter mir ins Schloss fällt, fröstelt mich.

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For those who dare to enter – contemporary Noir and women

Ich liebe es, etwas zum ersten Mal zu machen. Je älter man wird, desto seltener kommt das naturgemäß vor. Heute gleich zwei Premieren in einer: Mein erster original auf Englisch verfasster journalistischer Artikel und meine erste Publikation in einem britischen Medium, dem E-Zine Mystery People – for writers and readers of mystery. In Kooperation mit der Autorinnenvereinigung Mörderische Schwestern gibt es dort allmonatlich Neuigkeiten aus dem deutschsprachigen Raum.

(Besser lesen lässt sich der Text unterhalb der Abbildung)

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“… noir stories are bleak, existential, alienated, pessimistic tales about losers–people who are so morally challenged that they cannot help but bring about their own ruin.” Otto Penzler in his preface to “Best American Noir of the Century”.

Usually Noir fiction is set in big cities, exploring the dark alleys of our society, revealing the abyss full of violence, injustice and fear that looms in the shadows of our way of life. Crime works as a symptom for the derangements of the system. The word noir (black) implies a menacing atmosphere and doesn’t provide white as a contrast. It shades black into an endless variety of greys. Good and bad are intertwined in every character. Even if a story arrives at a happy ending for the protagonist or at the solution of a crime, this outcome is spoiled by the fact that the underlying conditions, which instigate the plot, remain unchanged. Noir, you might say, is literature for those who dare to enter the rooms barely visible through the cracks in the facades society has put up.

In the last years marketing departments of publishing companies have rediscovered Noir as a means of promoting, a label to indicate sophistication, states Sonja Hartl, journalist with expertise in noir literature. “They invented categories like Nordic Noir and Domestic Noir, the inflationary use of the term foiling the purpose to convey quality.

As implied Domestic Noir is set up in private surroundings rather than on the mean streets of the city. Written by women it features female protagonists thus filling a gap in the world of traditional Noir with its hardboiled male detectives. The stories evolve around the dangers lurking in personal relationships and, sadly, the titles often qualify grown women as girls. Reducing women to girls and to the role they play in the domestic sphere and inside a heterosexual relationship, denying them a wider social impact, is conservative and reactionary, claims Hartl. So, despite their dark atmosphere and broken heroines, domestic Noir lacks the sceptical approach toward social conditions that defines Noir.

But, strange as it seems, this very flaw emphasizes one of the dubious mechanisms of the publishing world. Female authors still have a hard time selling novels in which female protagonist demand their share of impact on social and political structures. As a literary agent put it: “This is men’s stuff. I cannot sell this with a female protagonist, written by a woman.

Nowadays a lot of female writers defy this unwritten rule and send out unconventional or deranged female characters to explore the fringes of society while trying to keep a grip on the tasks of female everyday life. Twelve of these daring woman, including me, provided short-stories for an anthology soon to be published in English by Weyward Sisters Publishing, South Carolina. “Like art, love, and pornography, noir is hard to define, but you know it when you see it.” Otto Penzler states in the preface mentioned above. Check out, if you find the noir feeling in The human heart: Short Crime & Noir Fiction by Women Authors in Germany, Austria and Switzerland.

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Krimis machen 3 – so war’s für mich

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In der letzten geselligen Pause des dreitägigen Kongresses Krimis machen 3 in Hamburg stehen wir mit unseren Kaffeebechern vor den Toren der Zinnschmelze und erwarten gespannt den letzten Punkt der Tagesordnung: das Resumé. Nach vier Podien, zwei bis sechs Workshops, mehreren Abendveranstaltungen und ausführlichen Diskussionen in den Pausen sind wir vollgestopft bis zum Überquellen mit Anregungen, Fragen und Inspiration zu den unterschiedlichsten Themen, gleichzeitig angenehm betäubt von der Vielfalt der Zutaten, die gerade dabei sind, sich in unseren Köpfen zu einem harmonischen Ganzen zu verquirlen, Long Island Ice Tea im Hirn.

Das heiß ersehnte Minzblättchen, das zur leichteren Verdauung der Melange hätte beitragen können, versagt uns Else Laudan in ihrer Verabschiedung dann allerdings mit der Forderung, es möge doch jeder sein eigenes Resumé ziehen. Nachdem der Kongresskater abgeflaut ist, will ich vorerst meine wichtigsten Eindrücke für mich und euch zusammenfassen. Diese Tagung wird jedenfalls nachwirken, sowohl inhaltlich als auch aufgrund der vielfältigen Kontakte und der allgemeinen Bereitschaft, sich miteinander auseinanderzusetzen (eine Wortkombi, die schon alles sagt, über die befruchtende Mischung aus Kontroverse und Harmonie).

Bereits die Beschreibung der Veranstaltung machte deutlich, was immer wieder zu hören war: Wir sind arthouse. Um die Entwicklung der Kriminalliteratur und ihre gesellschaftliches Relevanz sollte es gehen. Einen generellen Trend, in welche Richtung sich der Krimi in all seinen unterschiedlichen Ausprägungen entwickeln soll oder wird, kann ich demzufolge auch nicht ausmachen.

Dennoch kristallisieren sich einige Ansatzpunkte heraus, die jeder Art von Literatur gut täten. Herausgreifen möchte ich hier zum Ersten die Bedeutung des Raumes, der nicht gleichbedeutend mit dem Schauplatz zu sehen ist. Der Raum, in dem wir unsere Handlung ansetzen, gebiert Figuren, definiert Tempo und Rhythmus, kann politisch gefüllt werden, zur Verwirrung und Entfremdung durch Ortswechsel oder zur Beheimatung führen. Er kann unkonventionell durch Klänge, Farben oder Bewegung definiert werden und sogar als Protagonist in den Vordergrund rücken. Dieses Potential verschenkt, wer ihn als reine Kulisse betrachtet.

Die zweite Anregung, mit der jeder auch in vermeintlich unpolitischem Kontext zur Verbesserung der Welt (jaja, romantisch) beitragen kann: Das Hinterfragen von Klischees, Stereotypen, traditionellen Reflexen, die uns zwar alle prägen, unsere Welt jedoch nicht mehr so abbilden, wie sie ist, schon gar nicht, wie sie werden sollte. Auch die Ärztin und der Krankenpfleger helfen Patienten und ein Richter muss nicht weiß sein.

Die Macht des Klischees und der Wunsch sie zu brechen

Damit komme ich zu dem Thema, das sich aus meiner Sicht durch alle Ebenen der Tagung zog: Die Macht des Klischees und der – nicht immer von allen geteilte – Wunsch sie zu brechen. Gleich drei der von mir besuchten Veranstaltungen widmeten sich aus unterschiedlichen Blickpunkten dieser Problematik: Die von den HERLAND-Autorinnen Zoë Beck, Simone Buchholz, Monika Geier und Doris Gercke bestrittene Lesung unter Moderation von Else Laudan am Freitagabend mit dem Titel Die Welt wahr(!)nehmen . Ganzheitlicher Realismus im Kriminalroman. Das Podium II . Bitch oder Bastard und Podium IV . Das >Eigene< und das >Fremde<.

Launig schildert in der letztgenannten Podiumsdiskussion der Schauspieler Murali Perumal seinen Kampf um hautfarbenunabhängige Rollen. Als Deutscher mit indischem Vater scheint er abonniert auf die klischeegerechte Darstellung von Taxifahrern, Mafiosi und Flüchtlingen, ganz gleich welchem fernen Land sie entstammen, scheitert jedoch daran, beispielsweise als deutscher Staatsanwalt besetzt zu werden, und dies obwohl es in Deutschland eine eigene Vereinigung indischer Juristen gibt. Die Abbildung der Realität wird dabei gerne mit dem Argument verweigert, Deutschland sei noch nicht so weit. Auch die Autorin und Filmemacherin Merle Kröger, gebürtige Schleswig-Holsteinerin, findet sich oft nach rein optischen Gesichtspunkten über ihre teils indische Herkunft definiert.

Hier herrschte meiner Wahrnehmung nach völlige Einigkeit bezüglich der Notwendigkeit, Rassismen und mit dem vermeintlich Fremden verbundene Stereotypen zu überwinden. Die Kriminalliteratur als das am Stärksten welthaltige Genre hat die Aufgabe, die Realität wahrzunehmen, abzubilden, zu reflektieren und durchaus auch eine gewünschte Realität darzustellen. Autorinnen und Autoren sind mutig genug, ihre eigenen Vorurteile zu hinterfragen und zu brechen. Eine erwartbare Schlussfolgerung in einem Forum wacher, aufgeklärter Kulturschaffender.

Frauen drängen ins Team

Umso befremdlicher die Erkenntnis, dass die Darstellung weiblicher Lebensrealitäten und die Anerkennung von Autorinnen im Allgemeinen als weniger selbstverständlich betrachtet wird. Eigene Vorurteile und Automatismen in der Geschlechterzuschreibung kritisch zu betrachten, fällt so manchem Kollegen, Kritiker oder Verlagsmenschen offenbar immer noch schwer. Die durch Zahlen eindeutig belegte Benachteiligung von Autorinnen, nachzulesen unter anderem in diesem Artikel von Kirsten Reimers, wird beiseite gewischt. Bücher von Frauen werden signifikant seltener ausgezeichnet und im Feuilleton besprochen. Schreiben sie also schlechter? Schulterzucken.

Es geht schließlich um etwas Anderes, um wichtige Themen, brisante Handlung, die große Welt versus die kleine der Frauen. Auf die sie gerne festgenagelt werden, weil beispielsweise politische Stoffe von Frauen mit Protagonistinnen nur von sehr wenigen Verlagen gekauft werden. Politik sei Männersache, heißt es dann, was in diesem Forum allerdings niemand laut glauben will.

Zwei Frauen stehen am Tennisplatz, daneben das Golfcabrio. Da kann man sich gleich etwas vorstellen, meint Matthias Wittekind im Podium III . Urban Streets und Country Noir, in dem es eigentlich um den Schauplatz und seine Bedeutung im Genre gehen soll. Seine suggestive Besetzung eines imaginierten Raumes ist nur eines von zahllosen Gender-Klischees, die uns im Lauf dieses Kongresses so nebenbei um die Ohren fliegen. Nicht alle sind so eindeutig in den Achtzigern steckengeblieben. Da werden ernsthafte Kritiker im Feuilleton in Gegensatz zu inkompetenten Bloggerinnen gesetzt oder drei Männer reißen minutenlang die Diskussion über die Darstellung von Gewalt im Genre an sich, indem sie sich über technische Daten automatischer Waffen austauschen. Usw …

Eines der großen Missverständnisse in der Genderdiskussion bringt Ulrich Noller auf den Punkt, als er vom Podium herab erklärt, er fände die Frontenbildung Frauen gegen Männer unnötig. Schön, dass wir uns einig sind! Auch Feministinnen wollen keine gegnerische Mannschaft aufstellen. Wir wollen in eurer Mannschaft mitspielen. Inspirierte Autorinnen und eigenwillige Protagonistinnen brennen auf ihre Torchance. Offenbar herrscht eine gewisse, möglicherweise berechtigte Angst, dass durch diese Vergrößerung des Teams der eine oder andere um seine künftige Aufstellung zittern muss. Dem Ziel, hervorragende Kriminalliteratur in die Welt zu bringen, dient eine breitere Basis jedoch ebenso wie die Ergänzung durch weibliche Blickpunkte, die nicht zuletzt für mehr Realismus stehen. Qualität soll sich doch durchsetzen, oder? Trau dich, du Mädchen!, hörte ich einen arrivierten Autor zu einem Kollegen in anderem Zusammenhang sagen …

Wer schreibt über wen?

Die spannende Frage, wer über wen schreiben kann, darf oder soll wurde in mehreren Panels beleuchtet und nach teilweise kontroversiellen Diskussionen meinem Gefühl nach recht einhellig beantwortet: Jeder darf über alles schreiben. Gut und vor allem glaubhaft muss es sein. Diesem Thema möchte ich bald noch einen eigenen Artikel widmen.

Marketing

In den Panels über Kritik und ihre Auswirkungen und darüber, wie man neue Spannungstitel und Debuts am Markt platziert, gab es einige Überraschungen. So führte die geringe Bedeutung, die Buchhändlerinnen Rezensionen attestierten, zu langen Gesichtern bei Verlagsmenschen und Autorinnen. Dass gleich zwei Buchhändler zudem angaben, die Aufkleber der Spiegel-Bestsellerliste und teils auch jene renommierter Buchpreise vor dem Aufstapeln der Bücher zu entfernen, kratzte auch am Glauben an diese beliebten Marketing-Maßnahmen. Anstelle von ausufernder Werbung für Spitzentitel, die sich ohnehin verkaufen, wünscht sich der Buchhandel persönliche Ansprache und vertiefendes Material in Form von Biografien und Interviews, um Debuts besser verkaufen zu können.

Und nun?

Nach dem Kongress ist vor dem Kongress. In zwei Jahren findet Krimis machen 4 in Köln statt und ich will wieder dabei sein. Ein mit Sicherheit kontroversielles Thema für ein Podium hätte ich auch schon: Escape oder Enter – vom Wunsch aus der Realität zu fliehen und der Notwendigkeit sich mit ihr auseinanderzusetzen.

Auch wenn jeder bei so einer Veranstaltung natürlich auch eigenen Ziele verfolgt, entsteht die besondere Atmosphäre durch die Gemeinschaft. Autorinnen und Buchhändlerinnen, Kritikerinnen und Verlegerinnen, Lektorinnen und Übersetzerinnen, wir alle sind Buchmenschen. Miteinander zu diskutieren, zu lachen, zu streiten, zu essen und zu trinken, und über das zu sprechen, was uns inspiriert und umtreibt, macht neben allen fachlichen Erkenntnissen schlicht Spaß.

Was auch noch sein muss: Ein fettes Lob an das Team, das für die makellose Organisation gearbeitet hat. Vielen Dank Robert Brack, Nina Grabe, Else Laudan, Torsten Meinicke und Karen Witthuhn!

Wer in diesem Artikel Themen vermisst, die sie oder ihn auf dem Kongress stärker bewegt haben – bitte ergänzt mich in den Kommentaren!

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The Creative Process – How I became a writer

The Creative Process Exhibition ist ein internationales Projekt, das an 40 führenden Universitäten rund um die Erde sowie im Netz präsentiert wird. Es enthält jeweils eine Werkprobe und ein Interview von über 100 Literaten, darunter Ikonen wie Paul Auster, Joyce Carol Oates, Neil Gaiman, Hilary Mantel und viele mehr. Meinen Beitrag findet ihr hier. Er enthält das erste Kapitel von Lügenland in der englischen Übersetzung und im Original und zum Schluss das Interview.

Meine Antwort auf die Frage Why did you become a writer? ist eigentlich die Geschichte wie und nicht warum ich zum Schreiben gekommen bin. Auf die Frage nach dem Warum habe ich keine Antwort. Es war einfach eine innere Notwendigkeit.

When I was a child I wrote stories, like many children do. They often involved horses and girls and all the sad things that happened to them, due to the fact, that they were mostly surrounded by really bad people. Eventually I stopped writing because there was so much else to do, so many experiences to be had. Finishing school, I had a brief impulse to become a writer. But as nobody encouraged me and I didn’t really know what to write about, I cast that dream aside and headed for architecture.

I completely forgot about writing until the mid-2000s. At that time, I was in a relationship with a man who wanted to write a novel, and asked if I would like to contribute. He never got started, so on a lazy Sunday I wrote a few pages using what I thought was his perspective on our relationship. When I showed it to him, he went pale. I had captured his every thought. That was the moment I realized I could do it.

It was a thoroughly unhappy relationship, and we split soon afterward. But the infection had caught me. About a year later, on a riding-holiday with my daughter, I had an accident that prevented me from working and made my every movement painful for a few weeks. Bored, I took out the first pages I had written the previous year and started to develop them into a longer piece. It came as a surprise that the further I strayed from what had actually happened, the more fun writing became. I finished the novel, but it never got published, since the small publisher with whom I had signed a contract went bankrupt during the editing process.
I began to write short stories and to take courses in creative writing. My stories got published, and a few years later, my second novel was ready.

Being asked the question: What does writing give you that life can’t? I have to say: Nothing! Writing gives me the same pleasure I get from imagining a building and how people would like to live or work in it. What’s better, though: I can do everything on my own, follow every lead I choose. That’s an incredible luxury. Unfortunately, it doesn’t quite pay off as well financially, but I’ll never stop dreaming.

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Von den Früchten der Erkenntnis und unverblümtem Lesegenuss

Ein Résumé zur Aktion Autorinnenzeit

Es begann mit einer Irritation. Der Autor Sven Hensel hatte in seinem Blog dazu aufgerufen, im Mai der Literatur von Frauen besondere Aufmerksamkeit in sozialen Medien zu widmen. Hashtag Autorinnenzeit. Männer bekommen deutlich häufiger Literaturpreise, dominieren Empfehlungslisten von Influencern ebenso wie Schullektüren und werden auch in dieser Branche besser bezahlt. Das muss sich ändern, darin stimme ich mit Sven Hensel überein. Dass dem Aufruf eines Mannes, Frauen mehr zu würdigen, in meinen Ohren zunächst ein caritativer Touch anhaftete, schrieb ich einem Rest unangebrachter Opferhaltung zu. Einmal tief Luft holen, sich strecken und schon sieht man Solidarität, wo vorher Herablassung dräute.

Das Projekt

Ich beschloss, das Thema verbesserter Präsenz von Autorinnen mit einer Bestandsaufnahme zu verbinden und meine Regale dem Alphabet folgend nach von Frauen geschriebenen Büchern zu durchforsten. Bilder dieser Bücher postete ich auf Facebook und bat die Leser.inn.en, nach dem gleichen Muster zu verfahren. So einfach die Aufgabe scheint, so sehr überraschte es mich, auf wie vielen Ebenen eine klare Handlungsaufforderung missverstanden oder ignoriert werden kann.

Zum ersten sind offenbar nur wenige Menschen bereit, ihre Bestände ungefiltert nach tatsächlicher oder vermuteter Qualität preiszugeben. Bei diesen möchte ich mich schon hier ausdrücklich bedanken! Die Literatur, mit der man sich schmücken möchte, stimmt wohl nicht unbedingt mit dem überein, was tatsächlich im Regal steht. Anders kann ich mir nicht erklären, dass Megaseller wie Cecilia Ahern, Jojo Moyes und Rosamunde Pilcher, um nur einige zu nennen, angeblich in keiner Bibliothek zu finden sind. Auch das positive Feedback von Leuten, die meinen Thread verfolgten, ohne je selbst die von ihnen gesammelten Autorinnen auszuplaudern, scheint in diese Richtung zu deuten. Es gab Tage, an denen ich mich selbst bei der Überlegung ertappte, ob ich dieses oder jenes weniger anspruchsvolle Buch mit den anderen fotografieren oder womöglich das eine oder andere „wertvolle“ e-Book dazu erfinden sollte. Der soziale Druck, der durch Kommentare wie Die müsst ihr doch kennen! oder Das darf in keinem Regal fehlen! ausgeübt wird, verfehlte seine Wirkung nicht. Dass ich das als bedauerlich empfinde, konnte ich jedoch offenbar durch meine Kommentare deutlich machen, denn gegen Ende der Aktion gab es solche normativen Behauptungen nicht mehr. Schließlich erfüllt eskapistischer Lesegenuss für viele Leser.innen eine ebenso wichtige Funktion wie jener, der sich um ein tieferes Verständnis der Welt bemüht.

Wie bei der gesamten Autorinnenzeit gab es auch in meinem Thread Kolleg.inn.en, deren Regale offenbar ausschließlich mit eigenen Werken bestückt sind. Ihnen möchte ich ins Poesiealbum schreiben, dass eine Solidaritätsaktion nicht in erster Linie ein Vehikel für Eigenwerbung sein sollte. Immerhin gelang es mir, einige von ihnen in eine konstruktivere Richtung schubsen.

Erstaunlich fand ich auch, wie oft, trotz meiner vielfach wiederholten Bitte, sich auf Bücher von Autorinnen zu beschränken, männliche Autoren genannt wurden. Wohlwollend interpretiert legt das den Schluss nahe, dass sowohl Männer als auch Frauen das andere Geschlecht nun auch in der femininen Mehrzahl mitgemeint finden. Dem widerspricht allerdings die Tatsache, dass wenige Männer überhaupt mitdiskutierten. Während ich in meinem Thread immerhin einige motivieren konnte, ergab die Überprüfung des Hashtags Autorinnenzeit auf Facebook insgesamt ein trauriges Bild: Sämtliche Beiträge zu diesem Thema wurden von Frauen verfasst. (Da ich weder auf Twitter noch Instagram aktiv bin, kann ich nur hoffen, dass die Ergebnisse dort ermutigender ausfallen.) Als solidarischer Beitrag feministisch gesinnter Männer muss die Aktion also wenigstens auf dieser Plattform als gescheitert betrachtet werden.

Woran liegt das?

Unter anderem diese Frage habe ich in ergänzenden Diskussionen sowohl auf virtueller als auch realer Basis einigen Männern gestellt. Die relativ einhellige Antwort lautete, dass man sich nicht einmischen wolle, wenn es um Frauensachen ginge, gerne ergänzt durch den scherzhaften Hinweis, dass ohnehin jede Antwort falsch wäre. Sehr schnell mutierte Literatur von Frauen im Gespräch zur Frauenliteratur, die einem Mann naturgemäß wenig zu sagen hätte. Letzteres kann ich sogar nachvollziehen, da der Terminus Frauenliteratur heute oft verspricht, in die Abenteuer von Shoppingexzessen und Diätproblemen gezeichneter Karrierefrauen auf der Suche nach Mister Right eintauchen zu dürfen.

Alles eine Verwechslung also?

Denn selbstverständlich sind von Frauen geschriebene Bücher ebenso wenig zwangsläufig Frauenliteratur, wie Bücher von Männern als reine Männerliteratur bezeichnet werden können. Frauen wissen das. Diesbezüglich sind die Ergebnisse meiner Befragung eindeutig. In den Regalen fast aller Frauen überwiegt – oft zu ihrer eigenen Überraschung – der Anteil von Büchern männlicher Autoren klar. Während bei Frauen also das Geschlecht der Verfassenden eine untergeordnete Rolle spielt, kaufen die meisten Männer – sofern sie nicht für das Thema sensibilisiert sind –  fast ausschließlich von Männern geschriebene Literatur. So ist beispielsweise der Überhang an Autoren in meinen Regalen darauf zurückzuführen, dass mein Mann, bis auf ein von der Mutter geschenktes Buch einer bekannten Krimiautorin, ausschließlich Bücher männlicher Autoren mit in unsere Beziehung brachte. Dabei liest er gerne und oft Bücher von Frauen, die aber ausschließlich ich gekauft und ihm empfohlen habe.

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Auto oder Autor?

Was hält Männer, die in allen anderen Bereichen Gleichberechtigung leben, davon ab, Bücher von Frauen zu kaufen? Die Antwort auf diese Frage, die ich einigen lesenden, jedoch nicht selbst schreibenden Männern stellte, fiel überraschend banal und eindeutig aus: Es ist das Cover! Blümchen und pastellfarbene Schmetterlinge, die allzu oft, auch vollkommen unabhängig vom Inhalt, die Bücher von Autorinnen schmücken, sprechen Männer schlicht nicht an. Demgegenüber sind Autos, Drohnen oder andere technische Accessoires ein sicherer Kaufanreiz, wie ich in schamlosen Menschenversuchen an ahnungslosen Subjekten verifizieren konnte. Eine letzte, unbeabsichtigte Bestätigung bekam ich, als ich von meiner letzten Lesereise mit zwei Büchern von Kolleg.inn.en heimkam, denen ich unterwegs begegnet war. Auf Richard Lorenz‘ schwarzem Cover ist eine weiße Rose zu sehen, auf Sabine Grubers Buch fährt ein Auto durch die Wüste. Die Bücher lagen nebeneinander auf dem Esstisch. Zwei Männer, die in den Stunden darauf den Raum betraten, griffen unabhängig voneinander zu dem Buch mit dem Auto, nicht zu dem des Autors. Lesen wird man ein Buch aber nur dann, wenn man auch Lust hat, es zur Hand zu nehmen.

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Inhaltlich leichter zu unterscheiden als äußerlich

Selbst wenn dieser Mechanismus nur auf geschlechtsspezifische Sozialisierung zurückzuführen ist, betrachte ich ihn als taugliche Arbeitsgrundlage. Denn – wir erinnern uns – Zweck der Autorinnenzeit war es, Bücher von Frauen sichtbarer zu machen. Hier sehe ich eindeutig die Verlage in der Pflicht. Auf Zadie Smiths wunderbarem Gesellschaftsroman On Beauty glänzen beispielsweise pastellige Blumenornamente auf schwarzem Hintergrund (den ich als Hinweis auf die Hautfarbe der Verfasserin lese). Glücklicherweise bekam ich es geschenkt, gekauft hätte ich es nicht. Kaum vorstellbar, dass ein Verlag Jonathan Franzen, den ich literarisch in der gleichen Liga sehe, ein zartgrün und rosa blütenberanktes Cover angetan hätte. Wohlgemerkt, wir reden hier nicht nur über die Akzeptanz bei Männern. Ob die Verlagsvertreter es glauben oder nicht: Nicht alle Frauen lieben Blumen und Schmetterlinge. Wie viele großartige Bücher von Frauen habe ich wohl nicht gekauft, weil mich das kitschige Cover abgestoßen hat? Ganz sicher weiß ich: Mein 2015 erschienener Debutroman Die Venezianerin und der Baumeister wäre darunter.

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Zwei Bücher, zwei Verlage, zwei Interpretationen feministisch bewegter Romane

Geschätzte Verlage, hört auf, das klischeehaft besetzte Geschlecht der Verfasser.inn.en kontextunabhängig zum Motiv des Buchcovers zu machen! Haltet euch an den Inhalt oder schreibt einfach den Titel in einem schönen Font, wenn euch nichts Besseres einfällt.

Geschätzte Buchhändler.innen: Bitte nutzt euren Einfluss auf die Verlage, sagt den Vertretern die Meinung über kitschige Cover für ernstzunehmende Literatur!

Über alle konkreten Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen hinaus, hat mein Autorinnenzeit-Projekt auf jeden Fall den Zweck erfüllt, der auf Facebook ohnehin im Vordergrund steht: Es hat mir und vielen Followern schlicht Spaß gemacht, alte Bekannte wiederzuentdecken und auf künftige Lieblingsautorinnen aufmerksam zu werden. Dank an alle, die dabei geholfen haben!

Dieser Artikel ist heute auch auf der sehr empfehlenswerten Seite Herland erschienen!

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Tramway foan 3 – unheilschwanger

Ein rundlicher Mann im grauen Anzug schwitzt mir gegenüber in der Straßenbahn und dröhnt in sein Telefon. Es geht um low hanging fruits und easy wins, um accomplishments, customer relationship und schließlich um slides für die morgige keynote speech.

„Keine Sorge“, sagt der Mann. „Ich werde short and pregnant bleiben.“

Er lacht nicht, ich schon. Ich würde gerne einen der folgenden Sätze zu ihm sagen:

  1. Sie sehen jetzt schon so aus. (Pfui, das wäre body-shaming.)
  2. So sehr man es sich auch wünscht, schwanger kann man nicht bleiben.
  3. Wissen Sie schon, was es wird?
  4. Haben Sie bei der Hitze auch solche Probleme mit geschwollenen Füßen?
  5. Wissen Sie, wer die Mutter ist?
  6. Kinder sind ein major asset!
  7. Wann soll es denn kommen?
  8. Sind Sie womöglich unheilschwanger?

„Was lachen Sie denn die ganze Zeit so blöd?“, fährt der Mann mich an, nachdem er aufgelegt hat.

„Das war zwar nicht sehr freundlich“, sage ich, „aber ich nehme es Ihnen nicht übel. Ich weiß ja, wie das ist in der Schwangerschaft, diese hormonell bedingten Stimmungsschwankungen …“

Er zeigt mir den Scheibenwischer und setzt sich auf einen anderen Platz.

 

 

 

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Muss man Sie kennen? Minidrama aus dem Autorinnenleben

Mann in Café (MiC) am Nebentisch: Und was machen Sie so?
Ich: Schreiben. Ich bin Autorin.
MiC: Muss man Sie kennen?
Ich: Müssen nicht, aber vielleicht wollen oder sollen.
MiC: Ganz schön eingebildet.
Ich: Nur selbstbewusst.
MiC: Und ganz schön rechthaberisch.
Ich: Ihr Charme ist zwar beeindruckend, aber ich glaube, das wird nichts mit uns.
MiC (tippt in sein Handy): Wie heißen Sie?
Ich: Warum? Wollen Sie ein Buch von mir kaufen?
MiC: Ich lese keine Frauenliteratur.
Ich: Und ich schreibe keine.
MiC: Kinderbücher?
Ich: Ich schreibe Politthriller.
MiC (ungläubig auflachend): Ja, sicher!
Ich greife in meine Tasche, ziehe meine Pistole und schieße ihm in die Stirn. (Phantasie)
Ich winke dem Kellner: Zahlen bitte! (Leider wahr)
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