Nur ernst

Manchmal frage ich um Rat. Manchmal rät man mir ungefragt. Ich denke auch dann darüber nach. Oft kurz.

Um als Schriftstellerin und überhaupt ernst genommen zu werden, solle ich in meinem Blog auf die Albernheiten verzichten, die sich unter die seriösen Artikel mischten, riet mir kürzlich ein sicherlich wohlmeinender Kollege. Obskure Geschichten aus dem Dichterinnenhirn, Limericks und groteske Minidramen passten nicht zum Image einer Autorin politischer Romane …

Hier schaltete ich auf Durchzug. Jede hat ja so ihre Kriterien und ich kann Menschen nicht ernst nehmen, wenn sie sich selbst zu ernst nehmen.

Veröffentlicht unter Uncategorized, Schreiben | Verschlagwortet mit , , , | 7 Kommentare

Die Mauer muss fallen!

auf Herlandnews schreibt meine Kollegin Katja Bohnet über die buntbemalte Mauer, gegen die wir Schriftstellerinnen immer wieder prallen. Genau! So! ist es!

über Position – Die Mauer muss fallen

Veröffentlicht unter Gesellschaft, Schreiben, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Veilchenpower

Veilchen

Ein kontaminiertes Gedächtnisprotokoll

Kind zeigt Mutter das Poesiealbum.

Mutter (liest):
Sei wie das Veilchen im Moose,
bescheiden, sittsam und rein,
und nicht wie die stolze Rose,
die immer bewundert will sein.

Schön! Das stand schon in meinem Poesiealbum.

Kind: Warum?

Mutter: Wie, warum?

Kind: Warum lieber wie das Veilchen?

Mutter: Veilchen sind doch hübsch.

Kind: Rosen sind schöner! (Zeigt auf die prächtige Glanzpapierrose, die neben dem Vers klebt.)

Mutter: Aber Hochmut kommt vor dem Fall.

Kind: Was heißt das?

Mutter (stöhnt): Na, dass niemand Angeber mag und irgendwann zahlt man es ihnen heim, dass sie sich besser vorkommen. Bescheidenheit ist eine Zier.

Kind: Aber die Rose kann doch nichts dafür.

Mutter: Eh nicht. Ich muss in den Keller. Geh, mal mir ein schönes Bild!

Kind: Und das mit dem Licht unter der Schüssel?

Mutter: Man soll sein Licht nicht unter den Scheffel stellen? Ja, das auch wieder nicht.

Kind: Immer diese double-binds! Die werden mich in der Therapie später jahrelang beschäftigen. Und den Charakter am Aussehen festzumachen ist doch doch total neunzehntes Jahrhundert. Voll das Body-shaming. Rosen-Bashing! (Geht in Ketten gelegte Veilchen und Rosenkriegerinnen malen)

Rasenmähen oder Sprache als Herrschaftsinstrument

Als ich heute zum ersten Mal in diesem Jahr den Rasen gemäht habe, ist mir der Spruch aus dem Poesiealbum eingefallen und das diffuse Unbehagen, dass er in mir als Kind ausgelöst hat. Natürlich war er schon damals altmodisch in seinem penetranten Bemühen um Disziplinierung. Aber noch immer gab es Mütter, die ihren Töchtern die Verse überlieferten, die ihnen – absichtlich oder unreflektiert – genau diese Haltung mit auf den Weg geben wollten. Und die gab es auch noch, als meine Mädels ihre kurze Poesiealbenphase durchlitten.

Bescheiden, sittsam und rein. Lieber der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach und bloß nicht rumvögeln, Mädels! Dazu die Rosenbilder, von denen der Spruch so häufig begleitet wurde, ein subversiver Akt des Unbewussten.

Die Rosen blühen noch lange nicht. Die Veilchen sind überall, durchsetzen unsere schattige Wiese, leuchten zwischen den Himbeersträuchern und den Erdbeerblättern mit den ebenso unglamourösen Gänseblümchen um die Wette. Gemeinsam ducken sie sich unter dem Rasenmäher und heben zwischen den gekürzten Halmen die Köpfe. Sie sind viele und sie kommen immer wieder.

Ihr Rosen und Veilchen unter den Mädchen und Frauen (Jungs und Männer dürfen sich mitgemeint fühlen) – seid euch eurer Kraft bewusst!

Veröffentlicht unter Glossen, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 1 Kommentar

Die drei großen Rätsel der TV-Krimigeschichte

Eine subjektive Rangliste

Über knirschenden Kies steuern die Ermittler ihren Oldtimer die Auffahrt vor der Jahrhundertwende-Villa hinauf, steigen aus dem Wagen und die Freitreppe zum Säulenportal hinauf. Auf ihr Klingeln hin öffnet die Dame des Hauses, angetan mit elegantem Kleid und Pumps, und geleitet die Ermittler in den Salon oder die Bibliothek. An den Wänden ledergebundene Literatur und Kupferstiche.

Alternativ parkt der Oldtimer in einer von faden Einfamilienhäusern gesäumten Vorstadtstraße. Das Ermittlerteam strebt auf das einzige zeitgenössische Haus weit und breit zu — Beton, Glas, großzügige Terrassen — und tritt durch die Gartenpforte aus rostfreiem Stahl. Durch das halboffene Garagentor ist ein Oberklassemodell eines deutschen Autokonzerns auszumachen. Es öffnet die Dame des Hauses in Designerklamotten und Stöckelschuhen und geleitet die Ermittler in die raumhoch verglaste 100 m2-Wohnküche. An den Wänden hängt großformatige moderne Kunst.

Beide dieser unzählige Male gesehenen Szenarien enthalten die drei konstanten Rätsel der TV-Krimigeschichte, die es immer wieder schaffen, mich vom eigentlichen Plot abzulenken.

3.) Häuser

Was wollen uns Drehbuchautoren und Regisseurinnen mit der Auswahl der architektonischen Objekte sagen? Klar, das Böse ist bei den Reichen zu Hause — wie kommen die schließlich zu der Kohle? — und Geld macht nicht glücklich. Das denkt man sich gerne und wünscht den Reichen eine überproportional hohe Dichte von Gewaltverbrechen an den Hals, obwohl die Realität das nicht hergibt. Aber warum wohnen die nie in geschmacklosen postmodernen Villen mit kitschigen Rundbögen und Marmorbädern mit vergoldeten Armaturen wie im wirklichen Leben? Warum müssen sie entweder altmodisch Stil oder modern guten Geschmack haben? In einem architektonisch interessanten Haus zu wohnen kommt im TV-Krimi praktisch einem Schuldeingeständnis gleich. Als Architektin macht mich das traurig.

2.) Autos

Warum fahren TV-Ermittler zu gefühlt 80 % auch im Dienst in Oldtimern durch die Gegend? Ich schwöre, wenn mich jemand in einem vierzig Jahre alten Fiat oder einem kackbraunen Porsche aus dem letzten Jahrtausend verfolgt, dann fällt mir das auf. Warum macht nicht endlich einer der Verdächtigen eine Vollbremsung, steigt aus und erklärt den eben nicht heimlichen Verfolgern, dass das so nichts bringt, weil diese alten Kisten ohne ABS und Traktionskontrolle für rasante Jagden mit modernen Boliden einfach nicht konkurrenzfähig sind?

1.) Schuhe

Das aus meiner Sicht größte aller Krimi-Rätsel: Warum tragen alle Verdächtigen und Zeuginnen daheim immer Schuhe? Und nicht etwa Sneakers, nein, Stöckelschuhe, dazu praktisch immer elegante Straßenkleidung. Soll dargestellt werden, dass sie bereits damit rechnen, jeden Moment verhaftet zu werden? Bauen sie alle Tage ihres Lebens für einen stilvollen Auftritt in der Untersuchungshaft vor? Ist der Kosmetikkoffer auch schon fürs Gefängnis gepackt? Doch selbst dann bliebe Zeit, schnell in die Schuhe zu schlüpfen, bevor der Mantel übergeworfen wird. Warum also trägt in TV-Krimis niemand nur Socken oder Pantoffeln in der eigenen Wohnung? Das Kind spielt im Garten, die Mutter sitzt perfekt geschminkt in Wickelkleid und High Heels auf der Designer-Couch. In welcher Welt? Zieht ihr euch schnell um, wenn es an der Tür klingelt? Habt ihr womöglich stets ein elegantes Outfit an der Garderobe hängen und öffnet selbst der Nachbarin und dem Briefträger niemals barfuß und in Jogginghose?

Ich bin keine Verfechterin von totalem Realismus im Krimi. Ob die Ermittlerin auch mal im Alleingang Verdächtige befragt oder die Dienstwege korrekt abgebildet werden, ist mir gleichgültig, solange die Dramaturgie passt. Was ich jedoch schätze, ist eine gewisse Welthaltigkeit, die den Krimi im Alltäglichen verankert. Doch vielleicht finden Verbrechen ja tatsächlich nur in einer Parallelwelt statt, in der niemand ungeschminkt in Socken die Tür öffnet. Dann könnten wir uns sicher fühlen.

Veröffentlicht unter Glossen, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 7 Kommentare

Tipps von Nichtlesern für Autorinnen

Wer diesen Blog schon länger verfolgt, kennt ja bereits meinen Steuerberater (Taktvoll und tabellophob). Kürzlich hatte ich wieder einen meiner jährlichen Termine bei ihm.

Ich: Entschuldigen Sie die Verspätung. Chaos bei den Verkehrsbetrieben, irgendein Steuerungsfehler.
StB: Darüber sollten Sie mal ein Buch schreiben!
Ich: Über eine zehnminütige Verspätung? Meinen Sie, das trägt ein ganzes Buch?
StB: Darüber wie Technikversagen das Leben der Menschen beeinflusst.
Ich: Ein beliebtes Thema in der Literatur der letzten Jahrzehnte. Haben Sie darüber nicht auch schon öfter gelesen? (Eine hinterhältige Bemerkung, denn natürlich wusste ich bereits aus früheren Gesprächen:)
StB (schicksalsergeben): Ich selbst lese leider gar nicht. Aber meine Jüngste ist jetzt in der zweiten Klasse und schreibt sogar schon kleine Aufsätze. Was die für Einfälle hat! Das müssten Sie mal lesen!
Ich: Danke, gern! Kann ich mich vielleicht mit ein paar Steuertipps revanchieren? (Leider nur in Gedanken und eine Stunde später)

Zwei Tage später auf einer Punschparty bei Freunden. Das Gespräch dreht sich pikanterweise um unerwünschte Erziehungstipps von Leuten, die selbst keine Kinder haben.

WB (Weitläufiger Bekannter): Darüber solltest du mal ein Buch schreiben!
Ich: Okay.
WB: Das ist echt spannend!
Ich: Vielleicht eher dein Thema. Schreib du doch drüber.
WB: Ich hab dafür keine Zeit.
Ich: Aber lesen würdest du es?
WB: Eher nicht. Ich weiß das ja schon. Und zum Lesen fehlt mir auch die Zeit.

Wenig später.
WB: Der Banause hat sich mit dem Kakao-Schöpfer den Glühwein eingefüllt. Schweinerei.
Ich: Darüber sollte ich mal ein Buch schreiben.

Andere Gelegenheit.

Ich: Du drückst dich in deinen Mails immer so lustig altertümlich aus.
AF (Alter Freund): Wenn dir das gefällt, dann habe ich bald was Interessantes für dich. Ich schreib da nämlich an was.
Ich: Worum geht’s denn in deinem Werk?
AF: Meine Erfahrungen und Erlebnisse. Dreißig Seiten habe ich schon. Du kümmerst dich um den Verlag und als Ghostwriter um den Rest, dafür kriegst du 10 Prozent von den Tantiemen.
Ich: Klingt vielversprechend, aber … (erkläre kurz die Gesetzmäßigkeiten der Branche)
AF: Wenn es interessant ist, dann wollen die Leute das auch lesen. Die lesen doch auch sonst jeden Scheiß.
Ich: Würdest du es lesen wollen, wenn es nicht von dir handeln würde?
AF (irritiert): Ich lese eigentlich nie. Und wenn doch, dann nur Fachbücher.

Jede Autorin und jeder Autor kennt derartige Gespräche und nicht immer können wir darüber lachen. An schlechten Tagen verkrampfen sich unsere Kiefer und wir wenden uns zähneknirschend ohne ein weiteres Wort einem anderen Gesprächspartner zu. Von den Gewaltphantasien an noch schlechteren Tagen schweige ich lieber. Schlimm genug, wenn Leserinnen glauben, es mangelte uns an Einfällen. Noch schlimmer, dass jene, die wissen, welche Bücher dringend geschrieben werden müssten, sehr häufig Nichtleser sind. Auf der Suche nach einer entwaffnenden Reaktion frage ich mich, ob sich da nicht eine Marktlücke auftut.

AE (ahnungsloser Experte): Darüber sollten Sie mal schreiben!
Ich: Würden Sie es denn lesen?
AE: Bedaure, ich lese nie.
Ich: Was für ein Zufall! Mein letztes Buch ist das Buch für den Nichtleser. Ich verspreche Ihnen: Wenn Sie es lesen, wird es Ihr Leben bereichern.
AE: Wie gesagt: ich lese eigentlich nicht.
Ich: Genau darum sind Sie ja die Zielgruppe für mein Buch, ein absolutes Must-have für Nichtleser!

Noch nicht ganz ausgereift vielleicht, aber doch ein Schritt in die richtige Richtung, oder?

Veröffentlicht unter Schreiben, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Ich bin halt eine Emanze

Ich freue mich und fühle mich durchaus auch geehrt, ab jetzt mit den großartigen Kolleginnen der Plattform HERLAND für das Gute,Wahre und vor allem Weibliche in der Literatur mitstreiten zu dürfen.

Herland

05_16_GL2s_sw1von Gudrun Lerchbaum

Ich war neun, als ich mit zwei Freundinnen über den Zaun der Kirchwiese kletterte, wo eine Gruppe von Jungs zwischen den Kirschbäumen Fußball spielte.

„Wir wollen mitspielen!“, schrie ich.

Die Jungs sammelten sich und kamen in V-Formation auf uns zu. „Haut ab! Mädchen spielen nicht Fußball!“

„Ab jetzt schon“, sagte ich, schlug dem Anführer den Ball aus der Hand und kickte ihn zu einer meiner Freundinnen, die ihn vom Boden aufhob und dem Jungen zurückwarf.

„Blöde Emanze!“, schimpfte der.

Sie nahmen ihr Spiel wieder auf, ohne uns, und wir gingen lustlos zum Spielplatz, wo mich meine Freundin zu überzeugen versuchte, dass sie mich nicht verraten, sondern beschützt hatte.

fuß

Etwas hatte sich trotzdem verändert. Ich war jetzt eine Emanze und was auch immer das sein mochte, es gestattete mir, angebliche Jungssachen zu tun. Zwar war ich vom Fußballspiel weiterhin exemplarisch ausgeschlossen, doch beim Floßbauen auf dem Mississippi (=Froschtümpel)…

Ursprünglichen Post anzeigen 361 weitere Wörter

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Ich. Spinne.

Heute morgen unter der Dusche. Ein haarig schwarzes Spinnenbein, mindestens fünf Zentimeter lang, tastet sich aus dem Abfluss, gleich darauf ein zweites. Kreischen ist überflüssig, da mein Mann bereits auf dem Weg ins Büro ist. Das nächste und übernächste Bein macht deutlich, dass sich das Vieh nicht vom heißen Wasser hinunterspülen lassen wird. Die restlichen Beine und ein Leib mit dem Durchmesser einer Zwei-Euro-Münze zwängen sich aus dem Loch in die Duschtasse. Ich springe aus der Dusche, ohne das Wasser abzudrehen, schließe klappernd die Schiebetür hinter mir.

Was tun? Wenn der Wasserstrahl nicht wirkt, wird wohl auch der Staubsauger versagen, überlege ich, während ich mich hastig abtrockne. Angesichts der Größe muss es sich wohl um ein eingeschlepptes Tropentier handeln, das in den dampfenden Abwasserkanälen einen neuen Lebensraum erobert hat. Dort hätte es gerne bleiben können. Ich beschließe, mir Hilfe vom Tropeninstitut zu holen. Sollen die doch sehen, wie sie das Vieh aus meiner Dusche holen. Damit es dort bleibt, muss ein Gehege her. In ein Badetuch gewickelt renne ich in die Küche, greife mir eine gläserne Salatschüssel, die ich über die Spinne stülpen will, um ihren Bewegungsspielraum einzuengen.

Zurück im Bad graust es mich dann wirklich: Zwei weitere Riesenspinnen sind inzwischen aus dem Abfluss gekrochen, erkunden die Dusche, unbeeindruckt vom fließenden Wasser. Eine hat es bereits bis auf die Wandfliesen geschafft. Und die nächsten Beine tasten schon aus dem Rohr. Höre ich da ein Rascheln von unten wie von hunderten Spinnenbeinen?

Und das alles nur, weil gestern der Abfluss verlegt war. Phantasie kann auch nerven, denke ich, während ich mir das Shampoo aus den Haaren spüle. Wenn ich die Augen wieder öffne, wird da keine Spinne sein. Oder?

Veröffentlicht unter Schreiben, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | 6 Kommentare