Tod im Grünen oder das Amazon-Dilemma

Um die Zeit bis zur Fertigstellung meines historischen Romanes zu überbrücken habe ich vor kurzem bei Amazon ein Ebook mit dem Titel „Tod im Grünen“ veröffentlicht. Drei makabre Kurzgeschichten über die Missgeschicke und Unwägbarkeiten, die den schmalen Grat zwischen Leben und Tod, zwischen Alltag und Wahnsinn zu einem schlüpfrigen Pfad machen. Absturz nicht ausgeschlossen.

Es schien eine gute Idee zu sein, zumal der Publikationsvorgang bei Amazon im Vergleich zu anderen Anbietern unaufwändig und schnell vonstatten geht. Demokratischer und kostenloser Zugang zum elektronischen Buchmarkt, das ist doch was!

Die uneingeschränkte Freude währte leider nicht lange. Nun ist Amazon – angestoßen durch eine ARD-Doku  – wieder einmal Ziel der Kritik. Ausländische Leiharbeiter hat die Firma unter falschen Versprechungen ins Land geholt und ausgebeutet, Rechtsradikale als Security eingestellt.

Gut, das solche Praktiken an die Öffentlichkeit gelangen und kritisch hinterfragt werden! Das bringt die Firma unter Zugzwang und sorgt hoffentlich dafür, dass sie ihre Gepflogenheiten ändert, und sei es auch nur zur Imagepflege.

Aber der Fall macht, über Amazon hinaus, ein Fass an Fragen auf. Hire and fire nach amerikanischem Vorbild, quasi rechtlose Wanderarbeiter, prekäre Beschäftigungsverhältnisse – wollen wir das? Nein, natürlich nicht! Menschenwürdige Arbeitsbedingungen, soziale Verantwortung, das geht uns doch über alles.

Über alles? Billig soll jede Ware sein und jederzeit verfügbar. Heute bestellt, morgen geliefert und bei Nichtgefallen übermorgen gratis zurückgesendet. Und wenn die versprochene Lieferzeit überzogen wird, dann beschwert man sich, denn schließlich hat man als Konsument auch Rechte. Wer produziert, verpackt, versendet und unter welchen Bedingungen? Man kann sich ja nicht um alles kümmern.

Nun kommt also ans Licht, was wir nie wissen wollten und der Aufschrei ist groß, Shitstorm angesagt. Als hätten wir es nicht geahnt. Als wäre Amazon der einzige Fall. Als handelten nicht alle multinationalen Konzerne ähnlich. Profit ist oberste Maxime, der Mensch nur Mittelpunkt des Marketing.

Apple, ein extrem imageabhängiger Konzern, musste infolge der Kritik an seinen Produktionbedingungen kaum Umsatzeinbußen hinnehmen, so hört man. Weil das i Programm ist für unsere Gesellschaft? iTunes, iPhone, iPad – iWant, iNeed, iDeserve and iDon’tCareAboutOthers.

Es ist ein schwieriges Feld. Aber wir sollten uns nicht dazu verleiten lassen die Schuld an den Verhältnissen allein einem Konzern, einer Regierung oder ganz allgemein „denen da oben“ zuzuschreiben. Wir alle genießen die Vorteile der Globalisierung. Wir alle sind mitverantwortlich für die Nachteile. Hinschauen! Nachfragen! Schreien, wenn es wehtut!

Und über die zweifelhaften Segnungen des Kapitalismus ohne Gegenspieler lasse ich mich ein anderes Mal aus …

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