Schere, Stein, Papier

Eine Schande, dieser Blog! Wochenlang nichts gepostet, Leser und Leserinnen, die täglich auf der Suche nach Inspiration und Lebensklugheit hier nach neuen Zeilen forschen, bitterlich enttäuscht. Aber ich habe eine Ausrede!

Letzten Donnerstag habe ich nach drei Jahren mehr oder weniger intensiver Arbeit die Erstfassung meines immerhin an die fünfhundert Seiten umfassenden Romans fertiggestellt, der nun aber wirklich, ganz sicher, ohne Zweifel in einem großen Publikumsverlag erscheinen wird. Allerdings – noch ein wenig Geduld bitte, Suhrkamp! – erst nachdem meine Testleser ihre Arbeit getan und ich nochmals alles überarbeitet haben werde.

Seither Gelassenheit, Lähmung geradezu. Ich sitze, stehe, liege herum und horche auf das Gepolter der Steine, die mir vom Herzen fallen. In der Nachbarschaft beschwert man sich schon wegen des Lärms und ich muss mir langsam überlegen, was ich mit dem Schotter (nein, leider nicht im übertragenen Sinn) anfange.

Werfen wäre eine Möglichkeit. Beispielsweise über den Zaun in Richtung der Reinigungskraft des nachbarlichen Betriebes, die bereits um sechs Uhr morgens in ihr Handy brüllend ins Freie tritt. Zigarettenpause. Eine Pause übrigens, die im Lauf des Tages nur durch minutenlange Arbeitseinsätze unterbrochen wird.  Seit Jahren schreit sie mich aus dem Schlaf und durch den Tag.

Aber, wie gesagt, derzeit Gelassenheit. Daher keine Steinwürfe, keine Wut über die Zustände in der Welt, nicht einmal Ärger über M., einen Freund meines Mannes, der mir kürzlich meine Schitourenausrüstung zurückerstatten ließ. Die hat er vor zwei Jahren hier abgeholt, weil seine mir unbekannte Freundin sie kaufen wollte. Das Geld sollte fließen, sobald sie die Sachen einmal ausprobiert und für passend erachtet hätte. Nun, gepasst hätten sie, aber sie sei inzwischen draufgekommen, dass Schitouren ihr doch nicht recht behagen, daher mit Dank zurück. Was sind schon zwei Jahre gegen die Ewigkeit. M. selbst verleiht übrigens schon länger nichts mehr, hat schlechte Erfahrungen gemacht. Ich bin nur froh, dass er mir keine Gebühren verrechnet für die lange Lagerung des sperrigen Guts.

Während ich, zunehmend von Weinranken überwuchert, im Garten sitze und dem Nachbarn zusehe, der mit der Nagelschere die Rasenkanten trimmt, trifft mich der erste Stein. Familie und Freunde haben sich versammelt mich aus dem Stand-by-Zustand zu schießen. Kann Lethargie tödlich sein? Die Idee platzt wie ein Eiterbläschen in meinem Gehirn, verseucht die Neuronen mit unwillkommenen Aktivitätsimpulsen, lässt eine Geschichte entstehen.

Papier, Stift, schnell!

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2 Antworten zu Schere, Stein, Papier

  1. Heike Duken schreibt:

    500 Seiten? Suhrkamp? Chapeau, Chapeau, Chapeau!!!

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