Wasser ist die neue Musik – alles gratis bitte!

Wie? Was? Wo bin ich? Ach so, bewölkter Himmel, nur 29,5 Grad um 9:45 und Aussicht auf kühlende Gewitter. Eine Ahnung von Leben kribbelt in meinem Hirn, das geraume Zeit bei Lufttemperaturen um den Siedepunkt auf Erdnussgröße eingetrocknet war. Tatsächlich ist es einzig der mangelnde Appetit auf Menschenfleisch, der mich in Aussehen und Verhalten vom Zombie unterscheidet, sobald das Thermometer über 35 Grad klettert.

Nicht Zombie, sondern Blume, würde mein Mann vielleicht sagen. Doch darüber kann ich nur phantasieren, da ich seit Wochen nicht mit ihm gesprochen habe, der Flüssigkeitsverlust bei geöffnetem Mund einfach zu hoch. Vertrocknete Blume also, Wasserzufuhr dringend angesagt, am Besten von oben. Himmelwärts allerdings zeigt man sich diesbezüglich seit Wochen uneinsichtig, weshalb die Bewässerung notgedrungen von innen erfolgen muss. Kein Bier, kein Wein, kein Mojito  also, weil Alkohol zusätzlich austrocknet, nichts, was mich die Versengungen durch glühende Sitzgelegenheiten im Gastgarten leichter ertragen ließe. Stattdessen Wasser.

Gutes Wiener Hochquellwasser rinnt durch das Sommerloch in die Kehlen durstiger Gäste, in großen Mengen herbeigeschleppt von schwitzenden Kellnern, die dafür nicht einmal Trinkgeld bekommen. Weil Leitungswasser nichts kosten darf und 10% Trinkgeld von Null kann auch der Dümmste ausrechnen.

Zum ersten Mal in der Geschichte, so verkündeten Wiener Kaffeehausbetreiber, werde in den Lokalen öfter Leitungswasser als Melange bestellt. (Wobei man für Uneingeweihte hinzufügen muss, dass die Melange ohnehin immer mit einem Glas Leitungswasser serviert wird.) Wasser also, das vom Personal in frisch gespülte Gläser und Krüge gefüllt und serviert werden muss. Der Ansatz mancher Wirte für diese Dienstleistung einen Kostenbeitrag einzuheben stieß trotzdem auf große Empörung in diversen Medien, auf Facebook sowieso.

Warum?

Sicher, wenn ich ein Menü bestelle und das eine oder andere Glas Wein dazu trinke, kann ich erwarten, dass mir ein Krug Wasser gratis dazu serviert wird. Meinetwegen soll auch jeder Gast, der entgeltliche Getränke oder Speisen bestellt, sein Gratiswasser erhalten. Aber wenn, wie letztens gesehen, von vier Leuten zwei lediglich Wasser bestellen und das auch noch mit Sonderwünschen garnieren – „Nur Leitungswasser mit einer Scheibe Zitrone bitte!“ – dann soll, nein muss das etwas kosten!

Sonst gibt es nämlich bald keine Wirte mehr und man kann sich sein Wasser zuhause aus der Leitung saugen wie die Musik, die Filme, die Ebooks aus dem Internet. Alles gratis bitte! Bis Produzenten und Dienstleister ob mangelnder Geldflüsse austrocknen.

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2 Antworten zu Wasser ist die neue Musik – alles gratis bitte!

  1. Rainer Neumüller schreibt:

    wenns so wäre, dass wasser nur dann was kostet, wenn es die einzige bestellung ist, stimmte ich dir zu. aber leider ist es so nicht.

    • gudrunlerchbaum schreibt:

      das ist ja auch ein bisschen schwierig zu administrieren … und in Wirklichkeit kostet das Wasser ja immer noch fast nirgends etwas. Und in anderen Ländern bezahlt man ohne Murren sein Aqua liscia/Agua sin gas/usw..

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