Der Tote am Fensterbrett

toter fisch

Seit Tagen bringt mich ein perfides Komplott im eigenen Haus fast um den Schlaf. Jeden Morgen treibt der namenlose Plastikfisch (genannt namenloser Plastikfisch) bauchoben im imaginären Teich vor unserem kleinen Bauernhof. Mit kräftiger Herzmassage und Mund zu Kiemen-Beatmung konnte ich ihn bisher noch vor dem Tod retten, doch was geschieht, wenn ich einmal verschlafe?

Eine internistische Untersuchung ergab keinerlei Herztod-Risikofaktoren. Trotz seines beachtlichen Alters ist namenloser Plastikfisch körperlich in hervorragendem Zustand, von den Flossen einmal abgesehen, die leichte Schäden durch Milchzahnverbiss aufweisen.

Wer also erschreckt ihn allnächtlich fast zu Tode, bzw. dreht ihn händisch um? Letzteres ein Szenario, dass mich vor Schrecken erschaudern lässt, hieße es doch, dass einer meiner Mitbewohner die Hand im Spiel hätte. Mann oder Kind? Beide leugnen beharrlich, wobei ich vorerst nicht wage, härtere Befragungsmethoden anzuwenden.

Also die Tiere. Die Katze auf der Hundehütte natürlich die erste Verdächtige. Doch sie lächelt mich offen an, so raffiniert kann sie nicht sein. Außerdem hat sie sich noch nie vom Fleck bewegt. Die Kuh schaut ehrlich besorgt, vor Gänsen erschreckt kein Fisch, das Pferd ist eingezäunt und Schaf kommt ohnehin nicht infrage. Der Esel wirkt ein wenig schelmisch, doch er hätte im Verhör niemals standgehalten. Bello ist mit namenlosem Fisch seit Jahren eng befreundet, verbunden durch schweigendes Philosophentum. Bleibt das Schwein, dass sich durch  scheinbares Desinteresse und unglaubwürdiges Anschmachten der Kuh verdächtig macht. Gerade die Kuh, über die es sich sonst mit Vorliebe lustig macht. Schwein also. Doch nicht einmal die peinliche Befragung angesichts des Kugelgrills konnte es zum Reden bringen.

Wer also trachtet namenlosem Fisch nach dem Leben?

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6 Antworten zu Der Tote am Fensterbrett

  1. Claudia Schuster schreibt:

    Namenloser Fisch höchstselbst! Er giert nach Aufmerksamkeit, seine Methode funktioniert. Raffiniertes Biest, die imaginären Bauernhofbewohner in sein teuflisches Spiel mit einzuflechten. 😀

    • gudrunlerchbaum schreibt:

      Du hast völlig recht! Ich habe ihn eine Nacht lang überwacht und bin zum selben Schluss gekommen. Allerdings kann ich nicht glauben, dass er ein schlechter Fisch ist. Jetzt ist er in Therapie. Hoffentlich hilft es!

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