Aggression und Alliteration oder Auf dem Schlachtfeld literarischen Denkens

Der Zeit ihre Kunst

Wiener Secession

Eine unerfreuliche Nachricht und schon bringe ich kein Wort auf die Tasten, gehe am Friedhof spazieren und lese stundenlang in der Online-Ausgabe der ZEIT. Die Rubrik Freitext hat es mir dabei besonders angetan. Ein Feld für literarisches Denken soll sie laut eigenen Angaben sein, der literarischen Weltsicht Raum geben.

Juhuh!, Intellektuelle am Wort, das passiert ja allzu selten, denke ich, und erwarte gut formulierte, differenzierte Gedanken, die einem nicht zwangsläufig nebenbei am Häusl einfallen. Gibt es auch, beispielsweise von Roman Ehrlich. Daneben allerdings Beiträge, deren Ziel die Selbstentlarvung vorgeblicher Geistesarbeiter als darmträge Dumpfgummis zum Ziel zu haben scheint.

Ja, ich kann auch Alliteration bis zum Abwinken, ganz wie der dauerwütende Feridun Zaimoglu, der dem ehrwürdigen Blatt allwöchentlich seinen Abscheu vor fast allem faxt. Ihn anzuekeln, darauf muss man nicht stolz sein, das kann jeder. Die schlecht beobachteten Gehässigkeiten über den Charakter des Österreichers, die er in seinem Artikel vom 20.Oktober 2014 genüsslich geifernd mit uns teilt, sind insofern keiner Erwiderung wert.

Aber. Lieber Feri, Sie sollten wissen, warum der Österreicher auf Ihre völlig beliebigen Beschimpfungen mit einer Gelassenheit reagiert, die Ihnen als mau und Mus erscheinen mag. Der Österreicher ist nämlich quasi nicht nur Mozart, sondern auch Freud und wird Ihre Beleidigungen deshalb als das erkennen, was sie wohl sein müssen: einen Anfall von Tourette. Einerseits. Andererseits gibt es noch immer Österreicher, die den Deutschen (auch Piefke genannt) für einen arroganten Wichtigtuer halten und die direkte Kommunikation deshalb scheuen. Meistens zu unrecht. Insofern kann man in Ihrem Fall nicht einmal von gelungener Integration sprechen, denn der Deutsche ist gar nicht so unleidlich wie Sie ihn imitieren.

Dass sich auch in der österreichischen Geisteslandschaft einiges an Schlamm ablagert, lässt sich in Thomas Glavinics Beitrag vom 7. Oktober nachlesen, der weitgehend dickfellig, ja geradezu abgestumpft daherkommt, um uns dann mit dem Satz In diesem Fall finde ich Töten sehr begrüßenswert aufzuschrecken. Weil Glavinic nämlich keine Kopfabschneider mag. Die deshalb ihrerseits getötet werden dürfen, ja sollen. Vermutlich durch Kopfabschneiden, aber diesbezüglich lässt sich der Schriftsteller nicht näher aus. Macht nichts, auch so genug Anlass zum Fremdschämen.

Zwei aggressive, selbstgerechte Wutbürger mit überdurchschnittlicher Ausdrucksfähigkeit also. Das hat doch Potential zur Völkerverständigung. Die sollen sich doch mal zusammensetzen mit einem Oberhaupt der IS – ach was, zusammensetzen, richtige Männer treten sich gegenüber – und von Mann zu Mann …

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6 Antworten zu Aggression und Alliteration oder Auf dem Schlachtfeld literarischen Denkens

  1. 500woerterdiewoche schreibt:

    …aber „darmträge Dumpfgummis“ ist schön 🙂

  2. obermeir schreibt:

    wunderbar!
    übrigens wurde „piefke“ ersetzt von „mof“ (=mensch ohne freund)…
    herkunftsdiskriminierung 🙂

    • gudrunlerchbaum schreibt:

      Danke für das Lob. Mof gefällt mir aber nicht, das finde ich eher traurig. Allerdings wollte ich sowieso nicht herkunftsdiskriminierend sein, sondern die Blödheit von Herkunftsdiskriminierung am Beispiel Zaimoglu aufzeigen, ihn quasi mit eigenen Waffen schlagen.

  3. gudrunlerchbaum schreibt:

    Dann bin ich ja erleichtert, denn ich hatte schon leichte Bedenken, dass man mich missverstehen könnte. Ist ja doch ein sensibles Thema …

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