Schlaflose Nächte oder die Eroberung von Lügenland

Letzte Nacht, so zwischen zwei und vier, hatte ich eine zündende Idee, wie ich auf charmante und witzige Weise hier verkünden könnte, dass ich kürzlich einen Verlagsvertrag unterschrieben habe und mein nächstes Buch schon im September erscheinen wird. Lässig hätte das rüberkommen sollen und nichts von der Aufregung verraten, die mich der Prozess bis zum Vertragsabschluss gekostet hat.

Wie gesagt, das war der nächtliche Plan, doch dann bin ich wieder eingeschlafen. Jetzt fällt mir das Witzige nicht mehr ein. Es bleibt mir also nichts übrig, als ganz schlicht meine Freude mit euch zu teilen:

Letzten Mittwoch habe ich einen Vertrag mit dem Pendragon Verlag abgeschlossen, der meinen Roman „Lügenland“ schon im September veröffentlichen wird!

Denkt euch – nein, kein Gekreische, keine Luftsprünge, das liegt mir nicht so – denkt euch ein fettes Grinsen, ein paar Drinks, eine Umarmung für den Mann an meiner Seite und aufgekratzte Gespräche mit Freunden. Und große Freude innen drin. Erleichterung auch.

Denn begonnen hatte es nicht gut. Die Agentin, die meinen letzten Roman vertritt, wollte diesen nicht haben. Mochte ihn nicht. Keine weitere Begründung, keine qualitativen Bedenken. Daran habe ich schwer geschluckt und doch nach einigen Tagen Frust weitergeschrieben. Trotz aller Zweifel war ich sicher, dass der Roman nicht nur gut, sondern auch brennend aktuell ist. Dennoch haben weitere Agenturen abgelehnt. Agenturen, das liegt wohl in ihrem Wesen, sind eher ängstlich und Experimenten abgeneigt. Sie setzen auf Bewährtes, da ihr Verdienst ausschließlich vom finanziellen Erfolg der vermittelten Bücher abhängig ist.

Ich dachte darüber nach, meine Strategie zu ändern. Einige Tage liebäugelte ich sogar mit dem Gedanken, mithilfe eines geschlechtsneutralen Pseudonyms zu testen, ob angebliche Männerliteratur (das hatte mir eine Agentur beschieden) von einem angeblichen Mann besser ankäme. Wobei ich – das ist hoffentlich klar – niemals unter einer vorgespiegelten männlichen Identität publizieren würde. Doch die Wiederholung des Experiments einer Kollegin, über das ich hier geschrieben habe, schien auf einmal reizvoll.

Dann kam alles anders. Testlesende Kolleginnen hatten das Manuskript – mit meiner Zustimmung natürlich – an Verlage weitergereicht. Und plötzlich war da ein Angebot. Und wenig später ein zweites. Und dann eine Flasche Sekt. Begeisterung für ein eigenes Projekt ist unerlässlich, doch wenn sie gespiegelt wird und mit einem Mal von zwei Seiten zurückkommt, macht es richtig glücklich.

Die Entscheidung war eigentlich unmöglich. Zwei sehr sympathische Verlage mit spannendem Programm, einer ein Wunschverlag von Beginn an, der andere mit charmanter Beharrlichkeit werbend. Nach einer schlaflosen Nacht habe ich mich durchgerungen. Und nun ist es so.

Was ich euch damit auch wieder einmal sagen will, ist Folgendes: Vernetzt euch! Findet Kolleginnen und Kollegen auf der gleichen Wellenlänge, werdet Freunde, helft euch, baut euch gegenseitig auf! Nur dann können solche Dinge passieren.

 

 

 

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13 Antworten zu Schlaflose Nächte oder die Eroberung von Lügenland

  1. Sabine Wirsching schreibt:

    oh, wie großartig!! ich gratuliere ganz herzlich zu dieser wunderbaren neuigkeit – den sekt hast du dir redlich verdient, da ist kein einleitungswitz nötig.
    streckenweise kam ich mir vor als würde ich tagebuch lesen 😀 und es ist ein kleiner schub in die richtung des niemals-aufgebens, weil „wunder“ eben doch noch geschehen. vielen lieben dank dafür!

  2. Druckschrift schreibt:

    Ich freue mich mit Dir!

  3. Was für ein grandioser Bericht. Ich gratuliere ganz herzlich. Nicht nur dir, sondern auch uns allen, denen das Mut macht, unsere Geschichten nicht aufzugeben. Und den Lesern – denn solche Geschichten sollen die bekommen. Die, an die ihr Autor so sehr geglaubt hat, dass er sie nicht loslassen konnte. Alles Gute für dein Buch. Charlie

  4. 500woerterdiewoche schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch 🙂

  5. Fenna Williams schreibt:

    Ein gutes Netz ist eben da, wenn man springt! Gratulation!

  6. Nina Ryschawy schreibt:

    Auch von mir Gratulation!

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