Panik, Kamera! – mein Leben als Filmstar

Gestern war es soweit: Ich habe mich zum ersten Mal in einem Film gesehen und gehört, den theoretisch jeder Mensch auf der Welt auf youtube und anderen Plattformen abrufen kann. Wie ihr daraus schließen könnt, hatte ich es bisher nicht besonders darauf abgesehen. Natürlich wünsche ich mir, dass mindestens jeder zweite Weltbürger meine Romane liest und jedes Medium sie rezensiert. Auch gedruckte Interviews finde ich amüsant. Kamerascheu bin ich allerdings schon seit meiner Kindheit.

Aber man soll sich seinen Ängsten stellen, sagt die Küchenpsychologie. Nachdem ich schon im Kampf gegen die Höhenangst große Erfolge erzielen konnte, indem ich vor rund 15 Jahren mit dem Paragleiten begonnen (und inzwischen wieder aufgehört) hatte, wollte ich es jetzt der Kamera gegenüber mit einer Konfrontationstherapie versuchen. Erst war mein Mann dran, der rund 250 Fotos schießen musste, damit ich ca. 5 fand, die mir gefielen. Und nun also Film. Als der Kollege Günther Zäuner mich einlud, in seinem virtuellen Krimisalon meinen aktuellen Thriller Lügenland zu präsentieren, war ich gleich Feuer und Flamme.

Was soll ich sagen? Mein erstes Rendezvous mit der Kamera verlief ebenso erfolgreich wie mein erster Höhenflug mit dem Gleitschirm. Damals hatte ich mir bei der Landung den Fuß verstaucht und diesmal … Nun ja, eine weitere Konfrontationseinheit ist fällig. Ich stelle mich der Angst, dass jemand diesen Film sehen könnte.

Was bei so einem Filmchen groß schiefgehen kann?

Man kann sich zum Beispiel, kurz bevor es losgeht sicherheitshalber noch einmal schnäuzen und dabei den Lippenstift von der einen Hälfte der Oberlippe abwischen. Think positive! Der schief erscheinende Mund verstärkt wirkungsvoll meine Grimassen.

Schlimmer aber ist, dass ich praktisch kein Wort über das Buch verliere, das vorzustellen, doch eigentlich der Plan war. Stattdessen schwafle ich planlos irgendein unzusammenhängendes Zeug, nachdem mir gesagt wird: „Das ist jetzt erstmal eine Probe.“ Vermutlich mache ich das, damit ich die Wörter, die ich eigentlich sagen will, nicht aufbrauche, bevor es ernst wird, ein drastisches Missverständnis des Begriffs Probe meinerseits. In diesem Fall ist die Probe leider schon der Ernst und vermutlich nur so angekündigt, um mir die Nervosität zu nehmen. Merke: der Fokus bei einem zur PR gedachten Film sollte nicht lauten: Ohjeh, eine Kamera, mal schauen, was passiert. Es passiert nämlich, wenn man gefilmt wird, überraschenderweise genau das, was man selbst macht.

Warum ich nicht einfach, wie andere Leute, Stillschweigen über meine Peinlichkeiten bewahre und hoffe, dass niemand sie bemerkt? Ist doch langweilig! So kann vielleicht die eine oder der andere von meinen Erfahrungen profitieren. (Bei der Landung mit dem Gleitschirm nie im letzten Moment die Bremsleinen noch einmal loslassen!) Schließlich profitiere ich auch davon, indem ich die gleichen Fehler, wenn ich sie mir ausführlich vor Augen führe, hoffentlich kein zweites Mal begehe. Und sollte ich eines Tages reich und berühmt sein und irgendwelche Maden, die zu viele schlechte Krimis gelesen haben, mich mit alten Peinlichkeiten erpressen wollen, so haben sie keine Chance.

Und wenn ihr es jetzt sehen wollt: Zäuners Krimisalon. Ab Minute 26 bin ich dran. Davor gibt es ein interessantes Interview mit dem Literaturkritiker Heinz Sichrovsky und zu Beginn stellt Edith Kneifl ihren aktuellen Krimi vor. Sie macht das tatsächlich.

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5 Antworten zu Panik, Kamera! – mein Leben als Filmstar

  1. RunComeSee schreibt:

    Hab mir gerade das Video ab MInute 26 angesehen:
    Bravo, ich finde das Interview gut weil es so natürlich auf mich rüberkommt.
    Viel Erfolg noch weiterhin.

  2. Ulrike Sokul schreibt:

    Liebe Gudrun,
    es ist sehr erfrischend, daß Du von Deiner medialen Inszenierung mit solcher Selbstironie berichtest.
    Ich habe kürzlich auf meinem Buchbesprechungsblog eine kleine Abschweifung zum Thema Autorenfotos und ihre Aussageschwächen geschrieben.
    Falls Du nachlesen magst, folgt hier der Link: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/04/13/abschweifung-nr-3/
    Kamerascheue Grüße 🙂
    Ulrike von Leselebenszeichen

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