Ich. Spinne.

Heute morgen unter der Dusche. Ein haarig schwarzes Spinnenbein, mindestens fünf Zentimeter lang, tastet sich aus dem Abfluss, gleich darauf ein zweites. Kreischen ist überflüssig, da mein Mann bereits auf dem Weg ins Büro ist. Das nächste und übernächste Bein macht deutlich, dass sich das Vieh nicht vom heißen Wasser hinunterspülen lassen wird. Die restlichen Beine und ein Leib mit dem Durchmesser einer Zwei-Euro-Münze zwängen sich aus dem Loch in die Duschtasse. Ich springe aus der Dusche, ohne das Wasser abzudrehen, schließe klappernd die Schiebetür hinter mir.

Was tun? Wenn der Wasserstrahl nicht wirkt, wird wohl auch der Staubsauger versagen, überlege ich, während ich mich hastig abtrockne. Angesichts der Größe muss es sich wohl um ein eingeschlepptes Tropentier handeln, das in den dampfenden Abwasserkanälen einen neuen Lebensraum erobert hat. Dort hätte es gerne bleiben können. Ich beschließe, mir Hilfe vom Tropeninstitut zu holen. Sollen die doch sehen, wie sie das Vieh aus meiner Dusche holen. Damit es dort bleibt, muss ein Gehege her. In ein Badetuch gewickelt renne ich in die Küche, greife mir eine gläserne Salatschüssel, die ich über die Spinne stülpen will, um ihren Bewegungsspielraum einzuengen.

Zurück im Bad graust es mich dann wirklich: Zwei weitere Riesenspinnen sind inzwischen aus dem Abfluss gekrochen, erkunden die Dusche, unbeeindruckt vom fließenden Wasser. Eine hat es bereits bis auf die Wandfliesen geschafft. Und die nächsten Beine tasten schon aus dem Rohr. Höre ich da ein Rascheln von unten wie von hunderten Spinnenbeinen?

Und das alles nur, weil gestern der Abfluss verlegt war. Phantasie kann auch nerven, denke ich, während ich mir das Shampoo aus den Haaren spüle. Wenn ich die Augen wieder öffne, wird da keine Spinne sein. Oder?

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6 Antworten zu Ich. Spinne.

  1. Philipp Elph schreibt:

    All meine Aufregung – umsonst.

  2. Also bei mir… in der Badewanne schon! 😀
    Glaubst du nicht, Gudrun? Dann komm mal in der Blognachbarschaft vorbei 😉

    • gudrunlerchbaum schreibt:

      Hab ich gelesen 🙂 Bei mir spielt sich das auch nicht NUR in der Phantasie ab. Ich hatte mal eine, die aus dem Abfluss der Badewanne geklettert ist, während ich mir daselbst die Farbe aus den Haaren gespült habe. Und bei meinen Eltern ist vor meinen Augen eine ganze Familie von solchen Biestern aus dem Abfluss der Saunadusche gekrochen. Eine große, drei kleine, als anscheinend eher eine alleinerziehende Mutter …

  3. gudrunlerchbaum schreibt:

    Und die in der Dusche waren so groß, dass sie sich nicht runterspülen ließen, wie in meinem Text oben. Damals bin ich schreiend davongelaufen und hab sie meiner Mutter überlassen …

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